Wir kommen in die Welt und sind hungrig danach, in Verbindung zu kommen. Mit unserer Mutter, unserem Vater, anderen Bindungspersonen, mit Menschen, mit der Welt.
Wir kommen, um zu lieben und geliebt zu werden.
Wir entwickeln Fähigkeiten, die es uns erlauben, in Kontakt mit der Welt zu treten und ein Teil davon zu sein. Wenn wir geboren sind, ist – im besten Falle – Bindung unserer sicherer Hafen, von dem aus wir anfangen, die Welt zu entdecken. Das wollen wir und das ist in uns.
Wir sind hungrig danach, zu leben und zu lernen.
Irgendwann – vielleicht auch von unserer Zeugung an – machen viele von uns die Erfahrung, dass wir nicht gewollt, nicht geliebt, nicht geschützt, nicht gefühlt, nicht gehört oder gesehen werden. Das bricht uns das Herz. Wofür wir gekommen sind – wir selbst zu sein, uns zu entfalten, uns zu verbinden – stößt auf die Erfahrung von:
Ich darf nicht da sein.
Oder: So wie ich bin, bin ich falsch. Da wir als Menschenkinder tief abhängig von unseren Bindungspersonen sind, müssen wir schon in unserer frühen Lebenszeit abspalten, was unser Menschsein, unsere Lebendigkeit ausmacht: Unsere Empfindungen, unsere Gefühle, unsere Bedürfnisse. Wir geben sie auf, um zumindest in Kontakt mit unseren Bindungspersonen bleiben zu können.
Aus dieser Trennung, diesen Erfahrungen von Verlassen-Werden, Vernachlässigung, Gewalt, Unsicherheit entsteht Leiden, das uns ein ganzes Leben lang begleiten kann. Wir entwickeln Über-lebensstrategien, mit Hilfe derer wir überleben, aber nicht wirklich leben. Diese Strategien behalten wir bei, wenn wir erwachsen geworden sind. Und wir sind dann gefangen darin, weil sie uns hindern, wirklich mit uns, unseren Bedürfnissen, Gefühlen, unserem Körper und unseren Mitmenschen in gutem, sicheren Kontakt zu sein. Authentisch zu sein.
Wir wissen gut, wie wir leiden, uns zurücknehmen, uns selbst beschämen. Wir kennen uns aus in Selbstverachtung, Selbstausbeutung, Aufopferung, Unfrieden stiften, Kämpfen, Zerstören. Aber wir haben verlernt, zu fühlen, Mitgefühl zu haben mit uns selbst und unseren Nächsten und im Frieden zu sein.
Wir haben verlernt zu SEIN, wir selbst zu SEIN.
Weil wir gelernt haben, immer TUN zu müssen, damit wir wahrgenommen oder wertgeschätzt werden.
Das leitet mich
Authentisch sein, lebendig sein mit allen Facetten, fühlen lernen, lieben lernen, mich berühren lassen – von meinem Herzen, Menschen, der Welt in ihrem ganzen Sein. Offen sein für Schönheit, Freude am Leben fühlen. Verletzlich sein, Mitgefühl mit mir selbst und meinen Begrenzungen üben. Das Abgespaltene, das immer da war, nach Hause bringen, in Verbindung kommen mit mir selbst und meinen Mitmenschen. Herausforderungen im Leben beantworten können, ohne von ihnen überwältigt zu werden, neugierig bleiben. Frei werden von alten Identifikationen, die sagen, dass ich fehlerhaft oder ungenügend bin und dass die Menschen und die Welt bedrohlich seien. Friedensfähig werden. Und immer wieder: Mir erlauben, unvollkommen zu sein.